Workshop

Wissenstexturen. Literarische Gattungen als Organisationsformen von Wissen“

Workshop am Zukunftskolleg der Universität Konstanz, 21.-22. März 2013

 

Wissenstexturen

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Obgleich nur wenige literarhistorisch reüssierten, so sind um 1800 Konjunkturen von Gattungsformaten bemerkenswert, die außerliterarische Repräsentationsweisen von Wissen in der literarischen Aussageform aufgreifen. Zahlreich sind etwa Partialität, Kontingenz und Vorläufigkeit markierende Gattungsnamen, die neben dem „Fragment“ etwa mit „Skizze“ auf Entwurfstätigkeiten oder mit „Versuch“ auf essayistische Schreibweisen und experimentelle Praktiken verweisen. „Kollektaneen“ rekurrieren auf prämuseale Formen der Konservierung und Anordnung von Objekten, „literarische Spaziergänge“ sowohl auf architektonische Strukturen des Garten- und Landschaftsbaus als auch auf peripatetischen Erkenntnismehrwert, das „Tableau“ und die „Enzyklopädistik“ auf naturgeschichtliche und künstlerische Systematisierungen. Dabei handelt es sich um Sammlungs- und Ordnungsraster, die wissensgeschichtlich präsent sind und die neben Architekturen, Räumen oder Kunstwerken auch Texte und literarische Gattungen strukturieren.

Der Workshop ist der typologischen Selbstzuschreibung der Texte zu Wissensschemata oder Ordnungsmustern sowie der Vielfalt der Funktionen und Formen der Gattungen weniger hinsichtlich ihrer intraliterarischen Gattungsvariationen als vielmehr in ihrem Bezug auf extraliterarische, diskurs- oder disziplinenübergreifende Ordnungsgenera gewidmet. Aus welchen Wissensbereichen bedienen Gattungen sich gewisser, mit bestimmten Themen, Objekten, Mustern oder Bildern bereits assoziierter Aussage-, Darstellungs- oder Inszenierungsweisen? Welche extratextuellen Referenzrahmen werden in literarische Gattungsmuster überführt? Gefragt wird folglich nach literarischen Formen und Texturen, die in Auseinandersetzung mit extraliterarischen Problemlagen oder in Anleihe an Bilder, Strukturen oder Formate anderer Diskurse entstanden oder verändert wurden.

Indem sich ein Text einer bestimmten Gattung einschreibt oder eine neue Gattung erschreibt, schließt er andere Realisationsformen aus, weckt er spezielle Erwartungen, determiniert er sowohl die Form seiner Aussage als auch seine Anschlussfähigkeit. Wissenspoetologisch spezifiziert heißt das, dass die Entscheidung für bestimmte Genres oder Diskursarten die Begründung und Organisation von Wissensfeldern bedingt. Zum einen bergen extratextuelle Referenzsysteme verstehensnotwendige Voraussetzungen, die ein implizites Gattungswissen solidieren. Zum anderen sind Gattungen ein signifikanter Artikulationstyp, der außerliterarisches Wissen spezifisch literarisch texturiert und inszeniert. Der Workshop will dieses Wissen näher bestimmen, das Gattungen über sich selbst produzieren, indem der einzelne einer Gattung zugehörige Text es performativ ausagiert.

 


 

Tagung

„Literatur zwischen Staatenbeschreibung und Statistik. Narrative des (Nicht-)Wissens in Mitteleuropa (1750-1850)“

Tagung am Zukunftskolleg der Universität Konstanz, 6.-8. Dezember 2012

 

Statistik

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Im deutschsprachigen Raum bezeichnet das seit etwa 1750 gebräuchliche Wort „Statistik“ zwei durchaus unterschiedliche Wissenspraktiken: „Statistik“ nannte sich sowohl eine beschreibende Staatenkunde, die an den preußischen Reformuniversitäten gelehrt wurde, als auch eine numerische Datenerhebung und –verarbeitung, die zunächst von Verwaltungsbeamten praktizierte wurde. Idealtypisch lässt sich also ein buchstabengestütztes Wissen vom Staat von einem anderen, zahlenbasierten Wissen unterscheiden. Der um 1800 ausbrechende „Statistiker-Streit“ weist darauf hin, dass zwischen diesen Wissensformen, obwohl diese stets als Mischformen auftreten, ein genuines Spannungsverhältnis besteht. Die Vertreter der älteren universitär gelehrten „Schriftsteller-Statistik“, die vorwiegend deskriptiv verfuhr, sahen sich durch die von ihnen so gescholtenen „Tabellenknechte“, den Vertretern einer numerisch operierenden Statistik, herausgefordert. Ein zentraler Streitpunkt ist die unterschiedliche Selektivität von Tabelle und Beschreibung: Die Umstellung auf zahlenbasierte Verfahren, so monieren die Anhänger der deskriptiven Statistik, gehe mit einer Vernachlässigung solcher Gegenstände einher, die sich nicht quantifizieren lassen. Die Zahlenstatistik erzeugt demnach nicht nur ein besseres Wissen, sondern auch ein Nichtwissen vom Staat.